Sonntag, 11. Dezember 2016

Die Hütten der Armen





Bruchstuecke von Pucallpa

Lande in einen Hostel.
Es ist stickig.
Alte Bettbezuege.
Die Luft steht.
Gaensehaut ueberall.
Feucht durch
Hitze wie Dreck.
Am naechsten Tag
lande ich bei Antonio.
Ein heiliger Bruder.
Die Nacht ist wieder stickig.
Doch ein Ventilator
schwenkt die
feuchtheisse Luft.
Kann nicht schlafen.
Ueberall laermt es.
Die Strasse ist belebt
mit rassenten
Motortaxis.
Antiono fuehrt mich durchs
Viertel. Froehliche
Kinder springen ueber die
Erdwege. Holzhueten,
Armut, Hitze.
Fahren zu einem anderen Viertel.
Wieder Erdwege, Holzhueten,
Armut und Hitze.
Die Nacht kommt.
Die Motortaxis laermen
und der Ventilator
schwenkt die
feuchtheisse Luft.

Samstag, 10. Dezember 2016

Die Vehikel des Ucayalis








Auf dem Weg in die Tiefe

Sitze im Bus
seit Stunden
Das alte Vehikel
windet sich in
unendlichen Windungen.
Ein Kind weint
ohne Unterbrechung,
die Luft wird eng.
Es wird kaelter,
die Anden lachen
durch die Busritzen.
Eine Heizung ist
in diesem Vehikel
natuerlich nicht mehr
vorhanden. An Schlaf ist
auch nicht zu denken.
Bin ein Eisklumpen,
der vor sich hin
bibbert. Wir kriechen
bei 4800 Metern
ueber den Pass.
Dann geht es abwaerts.
Doch die Kaelte
nehmen wir mit.
Mein Bauch und Kopf denkt
nun auch ans Erbrechen,
wie es das Kind in seinen
Weinpausen praktiziert.
Es geht tiefer und tiefer,
der Weg in die Tiefe.
Nach Stunden erreichen
wir eine Schwelle.
Es ist die Schwelle,
die das Gebirge
von der Tiefebene trennt.
In schmodrigen Wegen
schlickert das Vehikel,
wie viele andere Vehikel.
-Solche Vehikel gibt es
auch im Verkehrsmuseum.-
Irgendwann stoppt der
Vehikelzug. Und er stoppt
fuer Stunden. Die Menschen
lagern an den Rändern.
Mit den Regenfaellen
der Nacht gingen Strassen-
abschnitte in die Tiefe.
Wir warten und schwitzen,
denn hier an der Schwelle
beginnt das Reich der Tiefe.
Dieses Reich haucht die Hitze
wie die Tiefe, die aus dem
Inneren hervorzulodern scheint.
Nach Stunden setzt sich die
Fahrt fort. Die Vehikel-
karawane kriecht wieder.
Tiefer und tiefer.
Alles schwitzt, die Felder,
die Waelder, der Bus.
Und in seinem Inneren
schwitzen seine Passanten,
bis sie dampfen.
Rauchend erreicht
das Vehikel Pucallpa
- die Stadt in der Tiefe -
am Rande des Amazonabeckens.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Der zweite Abschied

Eines Tages kam mein Abschied. Er ließ sich irgendwann nicht mehr aufhalten. Es war traurig, aber auch chaotisch, wie fast alles im Viertel auch eine chaotische Note trägt. Die Kinder fragten, warum ich gehe. Wir liefen die Wege auf und ab, probierten ein paar Spiele und kauten Kaugummis. Dann begleiteten die Kinder mich noch zum steilen Hang. Bei dem ganzen Auf und Ab wurde natürlich viel gelacht, es waren ja auch die Kinder von Portales. Und diese Kinder sind arm und lachen fast 2/3 vom Tag.






Gedanken über die Fröhlichkeit

Ich frage mich immer wieder, warum die Kinder in meinem Viertel so fröhlich sind. So eine richtige Antwort habe ich noch nicht gefunden. Ich bin noch beim Nachdenken. Doch so manche Dinge fallen mir dazu ein.
Die Kinder haben viel Zeit. Ihre Tage sind nicht verplant. Sie können spielen und ihre Spiele selbst entwickeln.
Die Familien leben eng verbunden mit ihren Kindern. Viel wird miteinander gelacht.
Die Kinder lernen besonders durch Nachahmung. Sie übernehmen zeitig Verantwortung, indem sie für ihre Geschwister mit sorgen oder bei den Arbeiten der Eltern helfen. So wachsen sie zeitig mit ihren Aufgaben.
In Deutschland gibt es ein ausgesprochenes Leistungssystem. Gemessen wird an der Höchstleistung. Weniger Punkte werden schnell als Manko dargestellt. Durch diesen Druck können Kinder ihre Fröhlichkeit verlieren.
Oh, mir fällt nicht viel sinnvolles ein. Sicher habt ihr Ideen zu diesem Thema. Ihr könnt mir ja eure Gedanken aufschreiben. Dann entsteht vielleicht nochmal etwas ausgereifteres. Nun es ist, wie es ist.

Dortmund gewinnt in einer perunischen Kneipe

Kurz kehre ich in die Realität. Das muss einfach mal sein.
Normalerweise hängt mein Blog mit seinen Fotos und Berichten einige Wochen der Realität (der Gegenwart) hinterher. Morgen fliege ich von Lima über Madrid nach Frankfurt. Doch über die Wochen im Regenwald habe ich noch nichts berichtet. Dafür wird dann in Deutschland noch genügend Zeit sein.
Doch davon wollte ich eigentlich garnicht berichten. Gestern verfolgte ich in einer peruanischen Kneipe das Fußballspiel Madrid - Dortmund. Irgendwann stand es 2:0 für Madrid. Die Peruaner jubelten und ich sah trübseelig in meine Suppe. Das Spiel war gelaufen.
Doch dann drehte Dortmund auf. Es fielen zwei Tore. Reus setzte den Schlusspunkt. Ich sprang auf und klatschte. Meine Kneipebrüder wunderten sich. Doch hatten sie auch etwas Verständnis mit dem suppelöffelnden Deutschen.